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208964

(2010) Handbuch Gattungstheorie, Stuttgart, Metzler.

Gattung und Gattungshistoriographie

Marion Gymnich

pp. 131-158

Im Anschluss an Luhmann definiert Voßkamp (1997, 655) Gattungen als »Selektionen aus einem Reservoir literarischer Möglichkeiten«, deren Geschichte sowohl durch Textkonstanten als auch durch Lesererwartungen bzw. kulturell-historische Herausforderungen bestimmt wird. Die diachrone Variabilität von Gattungen erklärt sich maßgeblich aus ihrem Status »als geschichtliche ›Bedürfnissynthesen‹«, als potenziell sinnstiftende Konstellationen, »in denen […] bestimmte historische Problemstellungen bzw. Problemlösungen oder gesellschaftliche Widersprüche artikuliert und aufbewahrt sind« (Voßkamp 1977, 32). In diesem Sinne lassen sich etablierte Gattungen, d. h. jene ›Selektionen aus dem Reservoir literarischer Möglichkeiten‹, die ein gewisses zeitliches Beharrungsvermögen aufweisen, als soziokulturelle, literarisch-soziale Konsensbildungen erklären. Sie fungieren als »institutionalisierte Organisationsformen literarischer Kommunikation« (Voßkamp 1990, 265) im Haushalt einer Gesellschaft, in denen sich kultur- und epochenspezifische Welterfahrungen, gesellschaftliche Widersprüche, Problemstellungen und auch potenzielle Problemlösungen niederschlagen.

Publication details

DOI: 10.1007/978-3-476-00509-0_4

Full citation:

Gymnich, M. (2010)., Gattung und Gattungshistoriographie, in , Handbuch Gattungstheorie, Stuttgart, Metzler, pp. 131-158.

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